Was Sie über Multikopter, Quadrokopter oder Drohnen wissen sollten.

„Wenn wir Flügel hätten, hätten wir nie das Flugzeug erfunden“. Der Satz des tschechischen Schriftstellers Pavel Kosorin gilt vermutlich auch für die Erfindung der kleinen ferngesteuerten Flugkörper, auch Multikopter genannt. Beinahe 500.000 gibt es davon in Deutschland, wobei ein Ende des Hypes längst nicht in Sicht ist. Die einfache Steuerung und technische Ausstattung verhelfen den Hobbypiloten zu exzellent scharfen Fotound Videoaufnahmen und bereiten ihnen eine Menge Spaß. Doch welche gesetzlichen Vorschriften gibt es? Welche Risiken bergen Multikopter und wie können Sie mit einem sicheren Gefühl damit abheben? Dies und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

Versicherung von Multikoptern

So können Sie sicher abheben

Multikopter gelten als (unbemannte) Luftfahrzeuge, deren Nutzungsmöglichkeit vom Kinderspielzeug bis hin zum professionellen Werkzeug für Gewerbetreibende variiert.

Bereits günstige Einsteigermodelle verfügen über technische Ausstattung, die eine Steuerung auf weite Distanz und große Höhen auch Neulingen ermöglicht. Unabhängig von der Nutzungsart resultiert aus der Benutzung ein gewisses Gefahrenpotential, das sich unter anderem bei einem Absturz oder Zusammenprall mit Personen oder Gegenständen während des Fluges realisieren kann. Für Schäden, die durch das Steuern des Flugobjekts im öffentlichen Luftraum verursacht werden, gilt die sogenannte Gefährdungshaftung. Hierbei ist es egal ob ein schuldhaftes Handeln vorliegt oder nicht. Wird Ihr Multikopter beispielsweise von einem Wind erfasst und stürzt aufgrund dessen auf ein parkendes Fahrzeug, kann der Fahrzeugbesitzer Schadensersatz von Ihnen als Pilot fordern. Um im Falle eines Schadens an Dritten oder deren Eigentum den Schadensersatz für diese sicherzustellen, schreibt das Gesetz in Deutschland eine Versicherungspflicht für Halter von Luftfahrzeugen vor. Dazu zählen jegliche Arten von Multikoptern, unabhängig davon, ob diese privat oder gewerblich genutzt werden.

Drohnen-Haftpflichtversicherung

Bei privater Nutzung

Wie kann eine solche Drohnen-Haftpflichtversicherung aussehen? Sofern der Multikopter ausschließlich zu privaten Zwecken eingesetzt wird, kann bereits eine private Haftpflichtversicherung adäquaten Versicherungsschutz bieten. Grundsätzlich sind die Fragen zu klären, ob die jeweilige Privathaftpflichtversicherung überhaupt Deckung gewährt und wenn ja, ob diese für die betroffene Drohne angemessen ist. Für die Mitversicherung über die Privathaftpflichtversicherung ist die ausschließlich private Nutzung zu Sport- und Freizeitaktivitäten Voraussetzung und zusätzlich abhängig vom Startgewicht der Drohne. Zudem existieren separate Drohnen-Haftpflichtversicherungen, die lediglich das Risiko im Zusammenhang mit dem Steuern von Multikoptern abdeckt.

Bei gewerblicher Nutzung

Doch was, wenn eine gewerbliche Nutzung vorliegt? Immer häufiger nutzen Dachdecker- oder Baubetriebe das hochtechnisierte Flugobjekt zur Begutachtung von beispielsweise Gebäuden und Baustellen, um neben Baufortschritten mögliche Schäden einfach erkennen zu können. Analog zur privaten Nutzung kann eine vorhandene Versicherung möglicherweise ausreichend Schutz bieten. Gute Betriebshaftpflichtversicherungen beinhalten auch eine Deckung für betrieblich eingesetzte Multikopter. Diese werden durch die voranschreitende Technisierung auch immer häufiger in der Landwirtschaft eingesetzt und stellen ein nützliches Hilfsmittel dar. Mit montierten Sensoren können die Multikopter beispielsweise große Felder überwachen, Ernte und Wassergehalt des Bodens inspizieren und bei Schädlingsbefall proaktiv Pestizide abwerfen. Eine landwirtschaftliche Haftpflichtversicherung kann mit der möglicherweise inkludierten Deckung für landwirtschaftlich eigesetzte Drohnen Abhilfe schaffen. Neben der effizienten Bewirtschaftung von Feldern und Wiesen, werden diese insbesondere in den Monaten April und Mai zusätzlich von Koptern mit sogenannten Wärmebildkameras zu Maßnahmen des Tierschutzes überflogen. Damit suchen Jäger und Tierschützer gezielt Wiesen vor dem Mähen nach jungen Rehkitzen im hohen Gras ab, um diese vor dem Mähtod zu retten.

Bei speziell einsetzbaren Multikoptern und solchen über fünf Kilogramm Startgewicht ist der Abschluss einer speziellen Drohnen-Versicherung erforderlich. Hier sollten Sie darauf achten, dass die Vertragsbedingungen auf Ihr Fluggerät abgestimmt sind.

Drohnen-Kaskoversicherung

Für Schäden an Dritten hat also der Pilot den Schadensersatz zu tragen, der wiederum durch eine gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung gedeckt sein kann. Doch Vorsicht: Schäden am eigenen Multikopter müssen gesondert abgesichert werden. Die Hausrat- oder Inhaltsversicherungbietet hierbei in der Regel keinen passenden Versicherungsschutz, da die Versicherer häufig explizite Leistungsausschlüsse hierfür definieren. Dabei ist es irrelevant, ob die Drohne gestohlen oder bei einem Wohnungsbrand respektive beim Fliegen zerstört wird. Analog zur Kfz-Versicherung kann die Kaskoversicherung (Drohnenkasko) eine adäquate Lösung sein. Egal ob die Drohne durch einen Unfall, Bedienungsfehler oder Diebstahl zu Schaden oder abhandenkommt, der Versicherer erstattet Ihnen unter anderem die Reparaturkosten oder den Neu-/ Zeitwert im Falle eines Totalschadens. Da die Anschaffungskosten für einen vielseitig einsetzbaren Multikopter schnell denen eines guten Gebrauchtwagens entsprechen, kann eine solche Absicherung durchaus ratsam sein.

EU-Drohnenverordnung 2021

Bevor Sie mit Ihrem unbemannten Flugmodell abheben, sollten Sie beachten, welche Vorschriften eingehalten werden müssen. Seit dem 31.12.2020 gilt die neue EU-Drohnenverordnung, mit der sich einige Änderungen ergeben haben. Eingeführt wurde unter anderem die Registrierungspflicht beim Luftfahrtbundesamt (LBA) als Pilot für alle Multikopter. Die neue Kennzeichnungspflicht besagt, dass die EU-Drohnen-Registrierungsnummer / Betreiber-ID (eID) gut sichtbar auf dem Luftfahrzeug aufzukleben ist und den vorgeschriebenen Eigenschaften (feuerfest, aus Aluminium, lasergraviert) entsprechen muss. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, versieht die Plakette zusätzlich mit der eigenen Telefonnummer oder Mailadresse, um im Falle eines Absturzes oder Verlustes möglicherweise vom Finder kontaktiert werden zu können. Bei Multikoptern über 250 Gramm ist zudem ein System zur Fernidentifizierung notwendig, welches permanent die eID des Kopters übermittelt und somit während des Fluges identifiziert und dem Piloten zugeordnet werden kann.

Drohnenführerschein

Exakt wie beim Autofahren wird zum Fliegen der Multikopter eine entsprechende Berechtigung benötigt. Dabei gibt es zwei Arten von Drohnenführerscheinen: Der sogenannte EU-Kompetenznachweis – auch kleiner Drohnenführerschein genannt – sowie das EU-Fernpiloten-Zeugnis (großer Drohnenführerschein). Je nach Klasse, Gewicht und Einsatz der Drohne ist mindestens der kleine EU-Drohnenführerschein oder zusätzlich die Erweiterung durch das EU-Fernpiloten-Zeugnis für größere Drohnen erforderlich. Dieses setzt neben dem Online-Training mit anschließendem Test und Onlineprüfung beim kleinen Drohnenführerschein außerdem eine Theorie-Prüfung bei einer dafür zertifizierten Prüfstelle voraus. Nach fünf Jahren sind beide Führerscheine mit erneuter Prüfung aufzufrischen.

Flugverbotszonen

Seit dem 31.12.2020 gelten weitere gesetzliche Einschränkung des Fluggebietes, die insbesondere für Bereiche wie Naturschutzgebiete, Einsatzorte der Polizei und Feuerwehr sowie die Nähe von Flughäfen ein Flugverbot vorschreibt. Ebenfalls nicht geflogen werden darf über Wohnungsgrundstücken mit Drohnen über 250 Gramm oder unbemannten Flugobjekten, die akustische oder optische Signale aufzeichnen oder übermitteln können. Grundsätzlich gilt eine maximale Flughöhe von 100 Meter, die ausschließlich auf Modellflugplätzen überschritten werden darf.